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Der Schreibtisch von Karen Minden.

Der Schreibtisch von Karen.

Wir haben eine neue Mitarbeiterin! Vielleicht habt ihr sie im Laden schon gesehen: Karen Minden hat Visuelle Kommunikation an der Kunsthochschule Berlin Weißensee studiert, ein Jahr an der ENSAD in Paris, und ist derzeit Master-Studentin an der Universität der Künste im Fachbereich Illustration. Wir haben sie ein wenig über ihre künstlerische Arbeit ausgefragt.

Liebe Karen, du hast zuerst Visuelle Kommunikation studiert. Wolltest du trotzdem von Anfang an in Richtung Illustration gehen?

Ja. Natürlich haben sich während des Studiums noch andere Richtungen angeboten wie Fotografie oder Buchgestaltung, aber mir war sofort klar, dass ich zeichnen will.

Zeichnest du eher einzelne Bilder oder lieber Serien?

Es kommt darauf an, wofür ich die Bilder mache. Wenn ich nur für mich zeichne, um Geschichten festzuhalten, produziere ich fast ausschließlich Serien. Falls ich aber etwas für andere anfertige, dann zeichne ich auch mal nur ein einzelnes abgeschlossenes Bild, das jedoch das Potenzial zu einer seriellen Reihe mitbringen müsste.

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Wie arbeitest du dann? Sitzt du am Schreibtisch, denkst über Motive nach und bringst sie dann zu Papier oder skizzierst du auch unterwegs?

Manchmal mache ich unterwegs Skizzen in mein Skizzenbuch, um Gedanken und Ideen festzuhalten. Die arbeite ich dann aber in einer ruhigen Umgebung aus. Ich habe schon immer am liebsten am Tisch gearbeitet. Ich brauche mein Equipment, ausreichend Platz und Wärme.

Hast du Lieblingsmotive und Zeichentechniken, auf die du immer wieder zurückkommst?

Meine Technik ist tatsächlich immer ähnlich. Ich mag es sehr, mit Bleistiften zu zeichnen und durch reine Schraffur Räumlichkeiten und Stimmungen zu erzeugen.

Ich zeichne sehr viel aus meinen Träumen oder halte Dinge oder Situationen aus meinem Alltag fest. Dies können zwischenmenschliche Begegnungen sein oder auch räumliche Eindrücke, die mir im Kopf bleiben.

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Du zeichnest also nur mit Bleistiften?

Eigentlich habe ich in der letzten Zeit fast ausschließlich mit Bleistiften gezeichnet, weil mir die Reduziertheit der Zeichenmittel sehr gefällt. Trotzdem bin ich wieder dabei, das etwas aufzubrechen, um eine größere Bandbreite an visuellen Sprachen zu beherrschen. Ich entwerfe zum Beispiel gerade Weihnachtskarten mit Buntstiften. Außerdem versuche ich derzeit, meine Zeichnungen aus geschlossenen Formen aufzubauen, damit ich sie per Siebdruck oder mit dem Risographen vervielfältigen kann.

Nichtsdestotrotz ist mir das Zeichnen mit Bleistiften schon viel zu sehr ans Herz gewachsen, als dass ich es aufgeben würde.

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Hast du Lieblingsbleistifte, die du empfehlen kannst?

Ich finde die Mitsu-bishi Hi-unis ausgesprochen toll. Ich mag das Holz, weil es so fein und weich ist. Es unterschiedet sich zu anderen Holzbleistiften. Meist nutze ich Faber-Castell-Stifte, weil es sie überall zu kaufen gibt und mich die Qualität überzeugt. Eine Zeit lang musste ich aber auf Koh-I-Noor-Bleistifte zurückgreifen, da merkt man deutlich den Unterschied im Holz beim Spitzen.

Beim Zeichnen verwende ich die ganze Bandbreite an Bleistift-Stärken, von 5H bis 10B. Besonders mag ich etwas härtere Bleistifte, da sie länger halten und nicht so schmieren. Verzichten kann ich aber auf keinen meiner Bleistifte.

Ich nutze sowohl Holzbleistifte als auch Fallminenstifte. Einfache Holzbleistifte liegen leicht in der Hand, wohingegen Fallminenstifte etwas mehr Eigengewicht mitbringen.

Bei Stärken ab 2H und härter greife ich meistens zu Holzbleistiften. Bei weicheren Bleistiftminen würde meine Wahl auf Fallminenstifte fallen, da sich die Minen schnell auswechseln lassen und weniger Abfall entsteht. Außerdem mag ich, dass der Stift selbst in seiner Form immer gleichbleibt. Das hat etwas Konstantes und Beständiges, wodurch man für diese Stifte eine Art Liebe entwickelt.

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Hast du ein bestimmtes Format, das du meist verwendest?

Ich habe ein Format, 330 mm x 297 mm, das ich oft für Hefte oder Bücher nutze. Es ist ein schmales Hochformat, das doppelseitig fast quadratisch ist. Ich mag spezielle Formate, die auf den ersten Blick aus dem Rahmen fallen.

Es ist sehr wichtig, dass man sich vorab überlegt, in welchem Format man arbeiten möchte und welche Form das Endprodukt haben soll. Entscheidet man sich beispielsweise für ein Buch, sollte man im Kopf haben, dass dem Falz in der Buchmitte eine besondere Bedeutung zukommt. Wichtige Dinge würde ich nicht direkt im Falz platzieren. Wiederum wird den Zeichnungen im Falz auch eine neue Räumlichkeit zuteil, was sehr spannend sein kann. Durch das Umblättern, Auf- und Zuklappen entsteht eine Dreidimensionalität, eine Räumlichkeit.

Wenn ich aber weiß, dass ein Bild gerahmt werden soll, passe ich das Format im Vorhinein auch an den Rahmen an, den ich für das Bild kaufen will.

Willst du weiterhin im Illustrationsbereich arbeiten?

Da ich nie wirklich im Illustrationsbereich gearbeitet habe, sondern immer sehr frei entscheiden konnte, was ich zeichne, weiß ich nicht, wohin mich die Reise führt. Was ich aber weiß, ist, dass ich zeichnen möchte. Welche Form das später annimmt, wird sich zeigen.

Wahrscheinlich werde ich jedoch nicht in einer Agentur arbeiten, in der eine bestimmte Vorstellung von Illustration von mir verlangt wird.

Ich bin zuversichtlich, was meine Zukunft anbelangt. Ich werde mit Sicherheit irgendwo eine Nische für meine Zeichnungen finden.

Vielen Dank für das Interview!